Ubuntu 26.04 LTS veröffentlicht – das sind die Neuerungen

Die neue Long-Term-Support-Version Ubuntu 26.04 LTS mit dem Codenamen Resolute Raccoon ist endlich verfügbar.

Ubuntu 26.04 LTS markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung der beliebten Linux-Distribution. Canonical hat diese Version mit erheblichen Verbesserungen und modernen Technologien ausgestattet, die sowohl für Desktop-Nutzer als auch für Server-Administratoren interessant sein dürften. Die neue LTS-Version wird fünf Jahre lang mit Standard-Support versorgt, wobei die Unterstützung bis April 2031 andauert. Für Nutzer mit Ubuntu Pro steht sogar eine zehnjährige Support-Phase zur Verfügung.

Die wohl größte Veränderung auf der Desktop-Seite ist die Integration von GNOME 50. Zu den wichtigsten Neuerungen gehören gruppierte Benachrichtigungen, HDR-Unterstützung für kompatible Bildschirme und verbesserte Barrierefreiheitsfeatures. GNOME 50 verbraucht weniger CPU- und Speicherressourcen in seinen Kernkomponenten, was zu einer flüssigeren Darstellung auch auf langsameren Systemen führt. Darüber hinaus hat Canonical die Unterstützung für Remote-Desktop-Verbindungen, Touch-Eingaben und Multi-Zeitzonen-Kalendernutzung erheblich verbessert.

Besonders auffällig ist der Wechsel der Standard-Anwendungen. Papers ersetzt nun Evince als PDF-Viewer, Loupe übernimmt die Rolle des Bildbetrachters von Eye of GNOME, und Ptyxis wird zur neuen Standard-Terminal-Anwendung. Ressourcen ersetzt sowohl den Systemmonitor als auch die Power-Statistics, während Showtime zum Standard-Videoplayer wird. Diese Umstellungen sind Teil einer bewussten Strategie, die Linux-Distribution mit einem moderneren Software-Stack auszustatten, der auf GTK4 und libadwaita basiert.

Eine weitere fundamentale Veränderung betrifft den Compositor. Ubuntu Desktop läuft nun ausschließlich auf Wayland. Die GNOME-Desktop-Session kann nicht mehr als X.org-Session ausgeführt werden. Das bedeutet einen definitiven Abschied von der klassischen X11-Umgebung. Allerdings funktionieren X11-Anwendungen weiterhin durch XWayland, sodass Kompatibilität gewährleistet bleibt.

Für Nutzer, die Wert auf die visuelle Qualität des Desktops legen, hat Canonical das Yaru-Theme aktualisiert. Die neuen Ordner-Icons und überarbeiteten App-Icons für die neueren Standard-Anwendungen geben dem Desktop ein moderneres und konsistenteres Aussehen. Ob diese Änderungen als Verbesserung wahrgenommen werden, bleibt letztendlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Seit der vorherigen LTS-Version hat sich einiges getan. Canonical hat die Dual-Boot-Unterstützung auf BitLocker-Systemen verbessert, was besonders für Windows-Linux-Dual-Boot-Nutzer interessant ist. JPEG XL wird jetzt direkt unterstützt, und VA-API-Hardware-Videobeschleunigung ist standardmäßig auf AMD- und Intel-Systemen aktiviert. Die Energieoptimierung wurde ebenfalls verbessert, und der Installer bietet nun bessere Barrierefreiheit für Nutzer von Bildschirmlesegeräten.

Im Bereich Sicherheit erweitert Ubuntu 26.04 LTS den Desktop um das „Security Center“ und bietet für Desktop-Installationen eine TPM-gestützte Vollverschlüsselung der Festplatte, bei der das TPM die Schlüssel zur Entsperrung der Festplatte speichert und diese beim Systemstart automatisch freigibt, sobald die Integritätsprüfungen erfolgreich abgeschlossen sind. Außerdem wird in OpenSSL die Unterstützung für Postquanten-Kryptografie hinzugefügt.

Unter der Haube läuft Resolute Raccoon mit Linux-Kernel 7.0, systemd 259 und dem APT-3.2-Package-Manager. Eine wichtige Änderung ist die Entfernung der cgroup-v1-Unterstützung in systemd. Auf der Server- und Virtualisierungsseite bietet das Release OpenSSH 10.2, AMD SEV-SNP-Unterstützung im Virtualisierungs-Stack und Intel TDX-Host-Support. Der Real-Time Kernel ist nun im Hauptarchiv verfügbar und nicht mehr nur über Ubuntu Pro erhältlich. Entwickler erhalten eine umfangreiche Toolchain-Aktualisierung mit GCC 15.2, glibc 2.43, Python 3.14, PHP 8.5, LLVM 21, Rust 1.93, Go 1.25 und OpenJDK 25. Auch die Datenbankunterstützung wurde aktualisiert: PostgreSQL 18, MariaDB 11.8 und MySQL 8.4 sind enthalten.

Canonical setzt weiterhin auf eine minimalistische Standard-Installation. Firefox 150 ist der einzige vorinstallierte Webbrowser neben den essenziellen System-Tools. Nutzer, die umfangreichere Software wie LibreOffice, Thunderbird oder Transmission sofort nach der Installation verfügbar haben möchten, können beim Installer die Option „Extended Selection“ wählen.

Die Veröffentlichung der Ubuntu-26.04-LTS-Version umfasst auch die offiziellen Flavors. Kubuntu wird mit KDE Plasma 6.6 ausgeliefert, Xubuntu mit Xfce 4.20, Lubuntu mit LXQt 2.3, Ubuntu Budgie mit Budgie 10.10, Ubuntu Cinnamon mit Cinnamon 6.4 und Edubuntu mit GNOME 50. Ubuntu Studio folgt ebenfalls dem KDE-Plasma-6.6-Stack, während Ubuntu Unity weiterhin Unity 7.7 verwendet.

Eine wichtige Anmerkung betrifft die erhöhten Systemanforderungen. Canonical empfiehlt nun mindestens 6 GB RAM für ein komfortables Desktop-Erlebnis, was eine Erhöhung gegenüber den 4 GB der vorherigen LTS-Version darstellt. Diese Empfehlung gilt allerdings nicht für Ubuntu Server. Es ist wichtig zu betonen, dass dies nur eine Empfehlung ist. Die Distribution kann auch auf weniger leistungsstarker Hardware installiert und ausgeführt werden.

Ubuntu 26.04 LTS Resolute Raccoon stellt einen großen Schritt nach vorne dar. Mit GNOME 50, Linux-Kernel 7.0 und einem modernisierten Anwendungsportfolio bietet Canonical eine zukunftsorientierte Distribution, die sowohl für Desktop-Nutzer als auch für Server-Administratoren attraktiv ist. Die fünfjährige Standard-Support-Phase bis April 2031 macht diese Version zu einer zuverlässigen Wahl für alle, die eine stabile und langfristig unterstützte Linux-Distribution suchen.

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