Perplexity: Klage enthüllt Ausmaß der Datenweitergabe

Eine Klage wirft Perplexity vor, dass es seinen Nutzern bewusst falsche Versprechungen zum Schutz ihrer Privatsphäre gemacht hat.

Perplexity, das schnell wachsende KI-gestützte Suchmaschinen-Tool, steht plötzlich unter massivem Druck. Eine Klage, die diese Woche in San Francisco eingereicht wurde, wirft dem Unternehmen vor, dass es seinen Nutzern bewusst falsche Versprechungen zum Schutz ihrer Privatsphäre gemacht hat. Was besonders beunruhigend ist: Die Vorwürfe deuten darauf hin, dass selbst die angeblich sichere „Inkognito-Funktion“ des Unternehmens nichts als eine Täuschung sein könnte.

Die Klage umfasst beeindruckende 135 Seiten und richtet sich nicht nur gegen Perplexity, sondern auch gegen die Tech-Giganten Google und Meta. Die Beschwerde behauptet, dass Tracking-Tools in Perplexitys Code automatisch Nutzerdaten an Google und Meta weitergeleitet haben, teilweise noch bevor Perplexity selbst diese Informationen zu Gesicht bekommen hat. Dies geschah angeblich sogar dann, wenn Nutzer die Inkognito-Funktion aktiviert hatten, die laut Perplexity eigentlich anonyme Threads erstellen soll, die nicht in der Verlaufshistorie gespeichert werden und nach 24 Stunden verfallen.

Die Dimension der Datenweitergabe ist erschreckend. Der Klage zufolge wurden nicht nur einzelne Anfragen weitergegeben, sondern ganze Gesprächsprotokolle. Die Nutzer teilten mit Perplexity sensible Informationen über ihre Finanzen, Steuerverpflichtungen, Investitionsportfolios, Gesundheitsbedenken und rechtliche Fragen. All diese Informationen sollen systematisch an Google und Meta übermittelt worden sein, damit diese Unternehmen sie für gezielte Werbung und zum Weiterverkauf an Dritte nutzen konnten.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Klage die Tracking-Technologie als browserbasierte Abhörtechnologie beschreibt. Die Technologie ermöglichte es Google und Meta, Informationen wie IP-Adressen, E-Mail-Adressen, Geolokalisierungsdaten und Geräteinformationen zu sammeln. Mit diesen Daten konnten die Unternehmen die Nutzer dann mit ihrer echten Identität verknüpfen und sie gezielt ansprechen. In einigen Fällen konnten ganze Gespräche sogar über öffentlich erreichbare Links aufgerufen werden, was bedeutet, dass sensible Informationen möglicherweise für jeden zugänglich waren, der den richtigen Link hatte.

Der Kern des Problems liegt in der Diskrepanz zwischen dem, was Perplexity seinen Nutzern verspricht, und dem, was das Unternehmen tatsächlich tut. Nutzer vertrauen auf die Zusicherung, dass ihre Unterhaltungen mit einer KI-Suchmaschine privat sind. Dieses Vertrauen ist besonders wichtig, wenn Menschen über persönliche Themen sprechen, die sie sonst niemandem anvertrauen würden. Sie geben der KI Informationen, die sie nicht einmal ihren Freunden oder Familienmitgliedern erzählen würden. Wenn diese Informationen dann heimlich an Werbetreibende weitergegeben werden, ist das nicht nur ein Verstoß gegen die Erwartungen der Nutzer, sondern potenziell auch ein Verstoß gegen Datenschutzgesetze. Mal ganz abgesehen von dem ethischen Faktor.

Die Klage unterscheidet auch zwischen kostenlosen Nutzern und bezahlten Abonnenten. Kostenlose Nutzer sollen besonders gefährdet sein, da ihre anfänglichen Anfragen angeblich mit URLs weitergegeben wurden, die es Dritten ermöglichten, auf das gesamte Gespräch zuzugreifen. Selbst Nutzer mit bezahlten Abos, die Perplexitys Inkognito-Funktion nutzen, sollen nicht besser geschützt gewesen sein, da ihre Gespräche ebenfalls zusammen mit ihren E-Mail-Adressen und anderen Identifikatoren weitergegeben wurden.

Die Reaktion von Perplexity auf diese schwerwiegenden Vorwürfe war wie zu erwarten ausweichend. Ein Sprecher des Unternehmens gab eine kurze Stellungnahme ab: „Wir wurden nicht mit einer Klage bedient, die dieser Beschreibung entspricht, daher können wir ihre Existenz oder ihre Ansprüche nicht überprüfen.“ Diese Antwort ist auffallend defensiv und vermeidet es, die Vorwürfe inhaltlich zu adressieren. Auch Google und Meta äußerten sich nicht umgehend zu den Anschuldigungen.

Fazit

Welche Konsequenzen könnte dieser Fall haben? Wenn die Vorwürfe der Klage sich als wahr herausstellen, könnte dies weitreichende Auswirkungen auf die gesamte KI-Industrie haben. Es könnte zu strengeren Transparenzanforderungen für KI-Plattformen führen und möglicherweise auch zu neuen Regulierungen bezüglich dessen, wie KI-Unternehmen mit Nutzerdaten umgehen dürfen. Für Nutzer bedeutet dies, dass sie in Zukunft möglicherweise skeptischer gegenüber Datenschutzversprechen von Tech-Unternehmen sein sollten.

Die Klage ist ein wichtiger Weckruf für alle, die KI-Tools nutzen. Sie erinnert uns daran, dass die Worte „Inkognito“ oder „Privat“ in der Tech-Welt nicht immer das bedeuten, was wir erwarten. Bis dieser Fall geklärt ist, sollten Nutzer vorsichtig sein, welche sensiblen Informationen sie mit KI-Assistenten teilen, unabhängig davon, welche Datenschutzversprechen diese Unternehmen machen.

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