Was einst als ambitioniertes Umweltversprechen begann, droht nun zum PR-Desaster zu werden. Der Grund? Künstliche Intelligenz und ihr enormer Ressourcenverbrauch.
Microsoft hatte sich einst verpflichtet, bis 2030 mehr Wasser zurückzuführen als zu verbrauchen. Ein nobles Ziel, das jedoch angesichts der aktuellen KI-Offensive des Unternehmens in weite Ferne gerückt zu sein scheint. Laut einem Bericht der New York Times zeigen interne Microsoft-Dokumente eine drastische Kehrtwende. Der Wasserverbrauch soll sich bis 2030 mehr als verdoppeln.
Die Entwicklung ist alarmierend. Lag der Wasserverbrauch in 2020 noch bei 7,9 Milliarden Litern, so waren es in 2024 bereits 10,4 Milliarden Liter. Die Hochrechnung für 2030 liegt bei 28 Milliarden Liter. Das entspricht einer Verdreifachung innerhalb eines Jahrzehnts. Microsoft hat diese Zahlen zwar später korrigiert und spricht nur noch von einer Steigerung um 150%, doch auch das ist weit entfernt von den ursprünglichen Zielen.
Warum verbraucht KI so viel Wasser?
Die Antwort liegt in den Rechenzentren. Server, die rund um die Uhr KI-Berechnungen durchführen, erzeugen enorme Wärmemengen. Diese Wärme muss abgeführt werden und dafür werden Milliarden Liter Wasser zur Kühlung benötigt. Ein Teufelskreis aus Strom für die Rechenleistung, Wasser für die Kühlung und wieder Strom für die Kühlsysteme. Nicht nur Microsoft steht vor diesem Problem. Auch Google, Oracle und Amazon verbrauchen Milliarden Liter Wasser für ihre Cloud-Infrastrukturen.
Besonders problematisch an der Sache ist, dass die Rechenzentren sich häufig in Regionen befinden, die bereits unter Wasserknappheit leiden. In den USA wären das Arizona und Texas, die Region Aragon in Spanien, Indien und Indonesien. Während der Wasserverbrauch von Rechenzentren global gesehen im Vergleich zur Landwirtschaft minimal ist, kann er lokal verheerende Auswirkungen haben.
Microsofts Reaktion
Nach öffentlicher Kritik präsentierte Microsoft-Präsident Brad Smith einen 5-Punkte-Plan, um eine „Community-first AI Company“ zu werden. Das bedeutet auf deutsch, Microsoft möchte ein gemeinschaftsorientiertes KI-Unternehmen werden. Die Ankündigung wurde in sozialen Medien jedoch mit Skepsis aufgenommen, da Microsoft bereits frühere Klimaziele aufgegeben hatte.
Das Unternehmen arbeitet an effizienteren Lösungen, darunter der neue Maia-Serverchip, der speziell auf Energieeffizienz ausgelegt ist. Zudem ziehen Microsoft und andere Tech-Konzerne Kernenergie als Alternative zu Solar- und Windkraft in Erwägung. Allerdings dürfte es Jahrzehnte dauern, bis entsprechende Infrastrukturen realisiert sind. Man kann nur hoffen, dass so ein Irrsinn niemals realisiert wird. Kernenergie sollte komplett abgeschafft, statt weiter ausgebaut werden.
Selbst Microsoft-CEO Satya Nadella äußerte in einem Neujahrs-Blogpost Bedenken. Cloud-Unternehmen könnten ihre gesellschaftliche Erlaubnis zum Ausbau verlieren, wenn sie nicht bald greifbare Vorteile liefern. Natürlich ist dies nur ein geschickter PR-Schachzug ohne jegliche Substanz.
Bisher hat KI vor allem nur einen Hype abgeliefert. Die versprochenen wissenschaftlichen Durchbrüche blieben aus, die Effizienzsteigerungen sind marginal. Stattdessen werden Einstiegsjobs durch minderwertige Automatisierungen ersetzt, während das Internet mit KI-generierten Inhalten und AI-Slop geflutet wird.
Fazit
Die Diskrepanz zwischen Umweltversprechen und KI-Ambitionen wirft grundsätzliche Fragen auf. Rechtfertigen die Vorteile künstlicher Intelligenz tatsächlich die enormen ökologischen und sozialen Kosten? Für Microsoft und andere Tech-Giganten läuft die Zeit ab, diese Frage überzeugend zu beantworten, bevor die öffentliche Geduld endgültig erschöpft ist. Die Ära des Greenwashings scheint vorbei. Was bleibt, ist die Frage, ob die Tech-Industrie bereit ist, echte Verantwortung für ihre Umweltauswirkungen zu übernehmen oder ob die KI-Blase wichtiger ist als Umweltschutz.