Der Linux-Desktop verzeichnet weiterhin ein langsames, aber stetiges Wachstum. Linux gewinnt an Boden, nicht zuletzt aufgrund der Fehltritte von Microsoft Windows. Sowohl Nutzer als auch Regierungen verlieren zunehmend das Vertrauen in Windows und Microsoft.
Ich rate schon seit einiger Zeit dazu vom Windows- auf den Linux-Desktop zu wechseln. Es scheint, als ist jetzt die Zeit gekommen, in der auch weniger versierte Benutzer den Umstieg wagen. Der Beweis dafür kommt aus verschiedenen Quellen. Da der Support für Windows 10 ausgelaufen ist, wechseln viele Menschen zu einer Windows-ähnlichen Linux-Distribution wie Linux Mint, Zorin OS oder gar Ubuntu.
Zorin OS, ein hervorragender Linux-Desktop, berichtet, dass seine neueste Version, „Zorin OS 18“, in etwas mehr als einem Monat nach Veröffentlichung 1 Million Downloads verzeichnet hat. Besonders interessant ist dabei, dass über 78 % dieser Downloads von Windows-Nutzern stammten.
Das hat meine Aufmerksamkeit geweckt. 780.000 Windows-Nutzer laden keine 3,5 Gigabyte große Linux-Distribution herunter, wenn sie es nicht ernst meinen. Linux-Fans laden ständig verschiedene Distributionen herunter – für sie ist es ein Hobby. Aber Windows-Nutzer? Man muss davon ausgehen, dass sie ernsthaft einen Wechsel zu Linux erwägen.
Warum wächst Linux?
Ich identifizierte bisher fünf Gründe für den Wechsel: Microsofts Fokusverschiebung auf die Cloud (Microsoft 365), besseres Gaming via Steam/Proton, verbesserte Benutzerfreundlichkeit, breitere Hardware-Unterstützung und Datenschutzbedenken.
Seitdem sind drei weitere Gründe hinzugekommen:
- Hardware-Ausschluss: Viele funktionierende Windows-10-PCs können nicht auf Windows 11 aktualisiert werden (laut ControlUp ca. 25 %). Viele Nutzer wollen keinen neuen PC kaufen, nur um Microsofts Anforderungen zu erfüllen.
- Widerstand gegen Windows 11: Viele Nutzer wollen schlicht nicht wechseln. Eine Umfrage in Großbritannien ergab, dass 26 % der Befragten Windows 10 auch nach Support-Ende weiternutzen wollen. Gründe sind die erzwungenen Oberflächenänderungen (Startmenü, Kontextmenüs) und die Integration von Copilot.
- KI-Skepsis: Nicht jeder ist begeistert davon, dass Windows 11 zu einem „agentischen Betriebssystem“ (AI-agentic OS) wird. Viele Nutzer wollen keinen „KI-Big-Brother“, der ihre Arbeit überwacht oder an Microsoft meldet. Als Microsoft-Präsident Pavan Davulur twitterte, dass Windows sich zu einem agentischen OS entwickelt, kommentierte ein Nutzer treffend: „Es entwickelt sich zu einem Produkt, das die Leute zu Mac und Linux treibt.“
Digitale Souveränität ist ein Faktor
Ein weiterer Grund, der besonders außerhalb der USA wichtig ist: Regierungen in der EU vertrauen Microsoft nicht mehr, wenn es um das Einhalten von Serviceversprechen unter potenziellem politischen Druck der USA geht. Dies führt zum Aufstieg von Initiativen zur „Digitalen Souveränität“. Viele EU-Staaten und Behörden wechseln zu Open-Source-Software, da sie US-Tech-Giganten misstrauen. Ein Beispiel ist die Entwicklung von „EU OS“, einem Linux-Desktop basierend auf Fedora und KDE Plasma. Auch Großbritannien äußert Bedenken bezüglich der Datenhoheit bei Microsoft 365 und Azure. Da Windows 11 Daten potenziell an US-Rechenzentren sendet, werden Regierungen zunehmend vorsichtiger.
Zusammengenommen machen all diese Veränderungen Linux von einer Bastler-Nische zu einer pragmatischen Option für Menschen, die aus der Windows-Update-Tretmühle oder dem Abo-Modell aussteigen wollen.
Fazit
Wachsender Marktanteil: Der Linux-Desktop gewinnt stetig an Nutzern. Je nach Zählweise (und Einbeziehung von ChromeOS) liegt der Anteil mittlerweile bei über 11 %. Zorin OS verzeichnete massive Downloads, größtenteils von wechselwilligen Windows-Nutzern.
Unzufriedenheit mit Windows 11: Strenge Hardware-Anforderungen schließen viele voll funktionsfähige Windows-10-PCs vom Upgrade aus. Zudem lehnen viele Nutzer die erzwungenen Designänderungen und die tiefe Integration von KI (Copilot) ab.
Datenschutz und „Agentic OS“: Die Entwicklung von Windows hin zu einem KI-gesteuerten Betriebssystem, das Nutzeraktivitäten überwachen könnte, treibt datenschutzbewusste Anwender zu Linux.
Digitale Souveränität: Regierungen außerhalb der USA (insbesondere in der EU und UK) misstrauen zunehmend US-Tech-Konzernen wie Microsoft bezüglich der Datensicherheit und Souveränität und wechseln daher vermehrt zu Open-Source-Lösungen.
Linux als Gesamtmarktführer: Wenn man Android (das auf dem Linux-Kernel basiert) hinzurechnet, ist Linux plattformübergreifend (PC, Tablet, Smartphone) bereits das dominierende Betriebssystem weltweit.

