GNOME 50 verabschiedet sich von Google Drive

GNOME 50 hat kürzlich die Google Drive-Integration fallen gelassen, die viele Nutzer seit Jahren als selbstverständlich betrachtet haben.

Vor einigen Wochen fragte ein Nutzer im GNOME-Discourse-Forum, ob das Fehlen der Google‑Drive‑Unterstützung in GNOME 50 ein Bug oder eine bewusste Entscheidung sei. GNOME-Entwickler Emmanuele Bassi bestätigte daraufhin, dass dies Absicht ist, denn Google Drive wird nicht mehr unterstützt.

Der Hauptgrund liegt in der Bibliothek libgdata, die die Kommunikation zwischen GNOME-Anwendungen und Googles APIs koordiniert. Diese Bibliothek hat seit fast vier Jahren keinen aktiven Maintainer mehr. Bereits im Dezember 2022 hatte GNOME-Entwickler Michael Catanzaro öffentlich nach jemandem gesucht, der die Pflege von libgdata übernimmt – mit der ausdrücklichen Warnung, dass alle davon abhängigen Integrationen irgendwann aufhören würden, zu funktionieren. Niemand meldete sich. Drei Jahre später ist libgdata nun offiziell auf GitLab archiviert worden.

Das eigentliche Problem geht jedoch tiefer. Libgdata war der einzige verbleibende Grund, warum libsoup2 noch im GNOME-Stack vorhanden war, eine Bibliothek, die bereits vor dem GNOME-44-Release schrittweise ausgemustert wurde. Debians Sicherheits-Tracker listet aktuell zahlreiche offene CVEs gegen libsoup2, darunter schwerwiegende Schwachstellen wie HTTP-Request-Smuggling und Authentifizierungsfehler. Libgdata beizubehalten hätte bedeutet, all diese Sicherheitslücken weiterhin im System zu dulden. Dies ist ein inakzeptables Risiko.

Eine interessante, wenn auch gewagte Idee wäre, wenn Google selbst einen oder zwei Entwickler abstellen würde, um die Drive-Integration offiziell weiterzuentwickeln. Google ist bekannt als Unterstützer von Open-Source-Projekten und hätte sicherlich die Ressourcen dafür. Angesichts einiger jüngerer PR-Misserfolge des Konzerns wäre dies zudem eine willkommene Gelegenheit, sich als verlässlicher Partner der Open-Source-Community zu positionieren.

Fazit

Die Entscheidung, Google Drive aus GNOME 50 zu entfernen, ist keine leichtfertige Maßnahme, sondern das Ergebnis jahrelanger Vernachlässigung und wachsender Sicherheitsbedenken. Wer die Funktion zurückbringen möchte, kann sich an den GVFS-Maintainer wenden oder auf ein Wunder aus dem Hause Google hoffen. Bis dahin müssen GNOME-Nutzer auf alternative Lösungen für den Zugriff auf ihre Google-Drive-Dateien zurückgreifen.

Nach oben scrollen