Computex 2026: Alles dreht sich um KI, doch echte Hardware leidet. RAM wird knapp, Preise steigen und KI-Features wirken oft überflüssig.
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Die Computex-Messe in Taiwan war schon immer ein Showcase der neuesten Computertechnologie und ein Barometer für die Richtung, in die sich die Hardware-Industrie bewegt. Doch die Atmosphäre auf der diesjährigen Messe lässt sich mit einem einzigen Wort beschreiben: AI-Manie. Wer durch die Hallen schlendert, hat das Gefühl, mitten in einem riesigen Rechenzentrum zu wandern, in dem jeder Stand das Akronym „KI“ in seine Bezeichnung gepackt hat. Es wirkt wie schlechte Comedy, wenn man sieht, wie verzweifelt jeder Hersteller versucht, auf diesen Zug aufzuspringen. Die Realität ist jedoch weniger glamourös als die Hype-Kurve. Der massive Zustrom von Investitionen in KI-Rechenzentren hat zu einer grotesken Verzerrung des Markts geführt. Komponenten, die für private Computer gedacht sind, werden knapp und teuer, besonders der Arbeitsspeicher. Dies treibt die Preise für Endgeräte in die Höhe und zwingt Hersteller zu kreativen, wenn auch teils fragwürdigen, Abkürzungen.
Ein besonders auffälliges Beispiel für diese Marktsituation ist die Rückkehr von Laptops mit nur acht Gigabyte Arbeitsspeicher in der Mittelklasse. Noch vor einem Jahr war diese Speichermenge nur absoluten Budgetgeräten vorbehalten, während sechzehn Gigabyte zum Standard gehörten. Doch nun stellt Acer mit dem Swift Air 14 ein Gerät vor, das in Europa für achthundert Euro ausschließlich mit acht Gigabyte RAM verkauft wird. Um die Produktionskosten niedrig zu halten, werden die Motherboards nur in einer Konfiguration gefertigt. Apple folgt diesem Trend mit dem sogenannten MacBook Neo, das ebenfalls mit acht Gigabyte RAM und einem Preis von siebenhundert Euro antritt. Auch Dell präsentierte mit dem XPS 13 ein Konkurrenzprodukt im ähnlichen Segment. Diese Entwicklung ist für viele Anwender ein Rückschritt, denn acht Gigabyte RAM sind unter Windows 11 oft bereits knapp bemessen, sobald mehrere Browser-Tabs geöffnet sind. Experten raten daher dringend davon ab, neue Computer mit dieser Speicherausstattung zu kaufen, wenn man auf der sicheren Seite sein möchte. Stattdessen könnte der Kauf eines gebrauchten Geräts mit mehr Arbeitsspeicher die sinnvollere Option sein.
Neben den Laptops gab es auch Neuigkeiten im Bereich der Handheld-Gaming-Konsolen. Asus stellte den ROG Ally X20 mit einem 7″ OLED-Display und einem AMD-Prozessor vor, während MSI den Claw 8 EX AI+ mit einem 9″ Bildschirm und einem Intel-Chip anbot. Die Bezeichnung „AI+“ ist hierbei fast schon verpflichtend geworden, selbst wenn die künstliche Intelligenz im Namen kaum eine funktionale Rolle spielt. Diese Geräte sind technisch beeindruckend, doch der hohe Preis aufgrund der großen Speichermodule von 24 oder gar 32 Gigabyte wird sie wahrscheinlich zu Nischenprodukten machen.
Die größte Überraschung und zugleich das Sorgenkind der Messe sind die neuen Notebooks mit Nvidia-Chips, die unter dem Codenamen RTX Spark bekannt wurden. Die Geräte sollen im Herbst erscheinen, doch die Details zu Akkulaufzeit und tatsächlicher Performance bleiben noch vage. Es besteht die berechtigte Sorge, dass diese neuen Chips einen hohen Stromverbrauch mit sich bringen, was der mobilen Nutzung entgegensteht.
Ein Bereich, der wirklich Fortschritte zeigt, ist die Monitor-Technologie. Tandem-OLED-Panels von Samsung und LG ermöglichen nun deutlich höhere Helligkeiten, was die Nutzung in helleren Umgebungen erst wirklich praktikabel macht. Zudem wird das Risiko von Einbrenn-Effekten durch die mehrschichtige Bauweise verringert. Besonders interessant ist die Rückkehr von kleineren Displays mit sehr hohen Bildwiederholraten für E-Sports sowie matte OLED-Oberflächen, die Reflexionen reduzieren.
Doch die KI-Integration erreicht manchmal absurde Höhen. MSI präsentierte den weltweit ersten KI-fähigen Monitor, der per Sprachbefehl oder Texteingabe gesteuert werden kann, statt physische Tasten zu drücken. Dies führt zu Situationen, in denen ein virtueller Drache namens Lucky Claw auf dem Bildschirm erscheint und mit dem Nutzer spricht. Auch wenn die Idee kreativ ist, wirkt die praktische Anwendung überflüssig und wirft die Frage nach sinnvollen Anwendungsfällen für generative KI im Consumer-Bereich auf. Die Technologie ist da, doch der Nutzen für den Alltag des durchschnittlichen Nutzers bleibt oft fraglich. Computex 2026 war somit ein Spiegelbild einer Branche, die zwischen echten Innovationen und verzweifeltem Hype schwankt.